Der König des Nordlandes

Der alte König des Nordlandes war gestorben, und der junge König hatte die Regierung übernommen. Er war sehr reich und mächtig, aber zugleich auch sehr gutherzig, so daß er nicht einmal einem Vogel etwas zuleide tun konnte.
Einst hatte er im Walde die Jungen eines Raben vor dem Tode errettet, und seitdem gab ihm der Rabe in Notfällen immer gute Ratschläge.
Eines Tages kehrte dieser Rabe aus fernen Ländern zurück und erzählte, daß die Königstochter des Südlandes die Schönste in der Welt sei, daß sie aber auch sehr stolz sei und schon dreitausend Freier mit Schande fortgeschickt habe, nur um allein zu regieren. Wenn jetzt der König des Nordlandes, der der schönste, mutigste und reichste Mann auf der Welt sei, die Königstochter des Südlandes freien wolle, würde sie ihn wahrscheinlich annehmen.
Der König dankte dem Raben für diese Mitteilung und versprach, zur gegebenen Zeit an das Freien zu denken.
Eines Nachts wurden die drei Schwestern des Königs des Nordlandes gestohlen, die unter den Frauen des Nordlandes die schönsten waren. Die älteste Schwester wurde vom König aller Vierfüßer, dem Löwen, die mittlere Schwester vom König aller Vögel, dem Adler, und die jüngste Schwester vom König aller Wassertiere, dem Walfisch, gestohlen. Als Preis für die Schwestern wurden drei Tonnen Gold zurückgelassen.
Der König beschloß, die Räuber der Schwestern aufzusuchen und gleichzeitig – um auf dem Weg das eine mit dem anderen zu verbinden – die Königstochter des Südlandes freien zu gehen.
Die Mutter des Königs wollte aber durchaus nicht, daß ihr Sohn so weit wegfahre:
„Unterwegs, da gibt’s fünf Nöte,
Tausende von Hindernissen,
Gibt’s den Tod auf Schritt und Tritt.“
Und sie versuchte, den König auf jede Weise von der Reise abzuhalten.
Als aber der König dennoch wollte, kaufte die Mutter von einer Hexe ein so starkes Kraut, daß jeder, auf den man es tropfte, auf der Stelle tot war. Der König saß schon auf dem Pferd und wollte sich nur noch von der Mutter verabschieden.
Die Mutter umarmte ihn mit einem Arm, und mit der anderen Hand wollte sie auf den Sohn das tötende Wasser tropfen, doch das Wasser fiel auf das Pferd, und der König blieb gesund. Das Vorhaben der Mutter – Lieber töte ich den Sohn im eigenen Land, da er im fremden Land sowieso den Tod findet, und so weiß ich wenigstens, wo sein Grab ist – war nicht gelungen. Das Pferd fiel tot um.
Der König bereitete aus dem Fleisch des toten Pferdes zwölf Fleischfladen, steckte sie in die Tasche, setzte sich auf ein anderes Pferd und machte sich auf den Weg.
Er war schon eine Weile geritten und befand sich in einem dichten Wald, als ihm Räuber entgegenkamen, die sich seiner ganzen Habe bemächtigten und auch den König selbst gefangennahmen. Es waren ihrer zwölf Mann. Ein jeder von ihnen aß einen von den Fleischfladen des Königs und war sofort tot.
Der König nahm sein Pferd und auch das Gold der Räuber und zog davon.
Er ritt lange Zeit weiter, bis er schließlich ans Meer gelangte. Da er auf keine Weise hinüberkonnte, begann er darum herumzugehen. An einer Stelle sah er: Die älteste Schwester sitzt unter einer Eberesche und stillt ein Kind. Er freute sich, daß er eine Schwester schon gefunden hatte, unterhielt sich mit ihr und ruhte sich bis zum Abend aus.
Am Abend sagte die Schwester:
„Geh jetzt schnell weg! Heute abend kommt mein Mann, der Löwe, der König aller Waldtiere, nach Hause, und wenn er dich hier findet, wird er dich zerreißen. Er ist drei Tage lang Löwe und drei Tage Mensch, heute um Mitternacht wird er zum Menschen, aber wer weiß, ob er dir nicht auch dann noch etwas antut.“
Der König hörte nicht auf die Worte der Schwester, sondern blieb da. Nach einiger Zeit begann es stark zu rauschen, so daß die Erde erzitterte, und die Schwester versteckte ihren Bruder unter den Wurzeln des Baumes.
Der Löwe kam nach Hause, fraß einen halben Mastochsen auf einmal auf und fragte während des Essens: „Sag mal, was ist das – hier riecht es nach einem Christenmenschen?“
„Es ist niemand da“, erwiderte die Frau, die Schwester des Königs, „vielleicht hast du, als du im Lande der Christenmenschen warst, irgendein Tier gefressen, und der Geruch ist dir in der Nase hängengeblieben.“
„Ganz richtig, auf der letzten Wegkreuzung lief mir ein Hase in die Quere, den habe ich verschlungen“, sagte der Löwe, aß, legte sich schla-fen und wurde um Mitternacht zum Menschen.
Die Frau fragte: „Wenn mein Bruder hierher-käme, um uns freundschaftlich zu besuchen, was würdest du mit ihm machen?“
„Wie kann dein Bruder hierherkommen, wo noch nie ein Mensch gewesen ist!“
„Aber, wenn er dennoch kommen würde?“
„Nun, was sollte ich mit ihm machen? Ich würde ihn wie den Bruder meiner Frau gut empfangen und ihm zudem ein Geschenk mitgeben.“
So ging denn die Frau, rief den Bruder und brachte ihn in die Kupferstadt, in der die Frau ständig und der Löwe jeweils drei Tage lang wohnten.
Der König wurde freundlich aufgenommen, aß und trank auf königliche Art drei Tage hintereinander.
Am Abend des dritten Tages sagte der Schwe-stermann zum König: „Du mußt jetzt fortgehen. Um Mitternacht werde ich wieder zum Löwen; wenn du dann noch hier bist, muß ich dich zerreißen.“
Beim Abschied gab er dem König drei Haare von seinem Rücken und sagte: „Wenn du in Not bist, dann verbrenne diese Haare, und ich komme dir sofort zu Hilfe. Doch erzähle mir, wohin du noch willst, da du so weit hergekommen bist.“
Der König erzählte, daß er gekommen sei, um seine Schwäger zu sehen, und daß er außerdem die Königstochter des Südlandes freien möchte, die der schönste Mensch auf der Welt sein sollte.
„Oh, lieber Freund, das wird dir nicht gelingen! Der Weg dorthin ist sehr schwer, und das Mäd-chen ist der boshafteste Mensch der Welt. Ich war ebenfalls schon dort, um zu freien, habe mir aber eine lange Nase geholt und bin nur mit Not dem Gefängnis und einer langen qualvollen Zeit entgangen. Und dabei – was ist schon deine Stärke gegen die meine?“
Der König wich dennoch um keinen Strich von seinem Vorhaben ab, gab nicht auf und schwor:
„Es soll mir mein Bart abfallen oder mein Unterkiefer zerbrechen, oder ich selbst soll wegen Unvermögens sterben, trotzdem gehe ich hin!“
Der Löwe nahm dann noch das Taschentuch des Königs und sagte:
„Solltest du keine Zeit mehr haben, die Haare zu verbrennen, oder nicht mehr daran denken, dann merke folgendes: Sobald sich dein Taschentuch in meinen Händen rot färbt, werde ich wis-sen, daß du in Not bist, und werde versuchen, dir zu helfen, obwohl mir der Weg, den du gehen willst, unmöglich erscheint.“
Die Schwester reichte ihm noch ein Tischtuch und sagte:
„Bist du hungrig, so breite das Tuch aus, und es werden sofort vier königliche Diener kommen, die dir auf das Tischtuch verschiedene gute Speisen legen und dich während des Essens bedienen werden. Außerdem werden während des Essens noch vier Musiker beschwingende Musik für dich spielen.“
Der König nahm die Geschenke, verabschiedete sich von der Schwester und dem Schwager und ging.
Er war wieder ein Stück weitergekommen, da sah er die mittlere Schwester unter einem Birnbaum sitzen und ein Kind stillen. Der König freute sich, daß auch die zweite Schwester gefunden war; er blieb bei der Schwester bis zum Abend und unterhielt sich angenehm mit ihr.
Am Abend sagte die Schwester:
„Geh jetzt schnell weg! Heute abend kommt mein Mann, der König aller Vögel, der Adler, nach Hause, und wenn er dich hier findet, frißt er dich sofort auf. Er ist sechs Tage lang Adler und sechs Tage Mensch. Heute nacht wird er wohl zum Men-schen, doch wer weiß, ob er dir nicht auch dann noch etwas antut.“
Der König hörte nicht auf die Reden der Schwester und blieb da. Nach einiger Zeit erhob sich ein Brausen und ein starker Sturm, so daß sogar die Steine umherflogen.
„Das ist mein Mann“, sagte die Schwester und versteckte den König unter den Baumwurzeln.
Der Adler kam nach Hause und fraß einen ganzen Mastochsen auf einmal auf. Während des Essens sagte er: „Sag mal, was ist das – hier riecht es nach einem Christenmenschen?“
„Es ist niemand da, vielleicht hast du im Lande der Christenmenschen irgendeinen Vogel gefressen, und jetzt steckt dir der Geruch immer noch in der Nase“, erwiderte die Frau.
„Das stimmt, bevor ich in mein Reich kam, war mir eine Meise über den Weg geflogen, die habe ich verdrückt“, bestätigte der Adler und beruhigte sich wieder. Er aß, legte sich schlafen und wurde um Mitternacht zum Menschen.
Die Frau begann ihn auszufragen: „Sag, wenn mein Bruder, der König des Nordlandes, uns besuchen käme, was tätest du dann mit ihm?“
„Wie kann dein Bruder hierherkommen, es ist noch nie ein Mensch hiergewesen!“
„Wenn er nun aber doch käme?“
„Oh, was sollte ich mit ihm machen, er ist doch dein Bruder; ich würde ihn gut empfangen und ihm noch ein Geschenk geben.“
Daraufhin ging die Frau, rief den Bruder unter den Baumwurzeln hervor und brachte ihn in die Silberstadt, in ihr Schloß, wo der Adler jeweils sechs Tage lang wohnte. Der König wurde sehr gut empfangen, bekam teure Speisen und Getränke vorgesetzt, wie es sich für einen König gehört, und dies dauerte sechs Tage.
Am Abend des sechsten Tages sagte der Mann seiner Schwester zum König: „Jetzt mußt du ge-hen. Um Mitternacht werde ich wieder zum Adler; wenn du dann noch hier bist, muß ich dich zerreißen.“
Dann gab er dem König drei Federn seines Flügels und sagte: „Wenn du einmal in Not gerätst, verbrenne die Federn, und ich komme dir sofort zu Hilfe. Doch – was ich noch fragen wollte – wohin wolltest du eigentlich gehen, da du so weit hergekommen bist wie noch nie ein Mensch vor dir?“
Der König erzählte, er sei gekommen, um die Schwäger zu besuchen und um dabei auch die Königstochter des Südlandes zu freien, die der schönste Mensch auf der Welt sein sollte.
„Oh, Verwandter, verwirf diesen Gedanken! Dein Vorhaben ist sehr schwer, und die schönste Königstochter ist auch der boshafteste Mensch auf der Welt. Auch ich habe sie einmal freien wollen, doch das hat mir eine solche Schande eingebracht, daß ich das ganze Leben daran denken werde – man wollte mich sogar lebenslänglich ins Gefängnis stecken. Ich bin nur mit Mühe weggekommen, und dabei bist du nicht so stark wie ich.“
Der König wich aber von seinem Vorhaben um keinen Strich ab und beteuerte:
„Von mir aus soll mir der Bart abfallen oder der Unterkiefer zerbrechen, oder ich soll wegen meines Unvermögens sterben, ich werde doch nicht von meinem Vorhaben zurücktreten und das Freien aufgeben!“
Der Adler nahm das Taschentuch des Königs und sagte:
„Solltest du keine Zeit mehr haben oder nicht daran denken, die Federn zu verbrennen, dann merke folgendes: Sobald sich dein Taschentuch in meinen Händen rot färbt, weiß ich, daß du in Not bist, und eile dir zu Hilfe, wenn ich es auch sehr schwer haben sollte, dir bei diesem Freiersgang zu helfen.“
Die Schwester gab ihm ein Tischtuch und unterwies ihn:
„Wenn du hungrig bist, breite das Tischtuch aus, und sofort werden zwölf königliche Diener zur Stelle sein, die dir auf das Tischtuch verschiedene Speisen legen und dich während des Essens bedienen. Auch werden während des Essens zwölf Musiker die schönsten beschwingenden Weisen für dich spielen.“
Der König nahm die Geschenke entgegen, veabschiedete sich von der Schwester und dem Schwager und ging.
Er ging mehrere Tage und war schon um das Meer herumgekommen: Da sah er die jüngste Schwester unter einem Apfelbaum sitzen und ein Kind stillen. Der König freute sich, daß er nun alle Schwestern gefunden hatte, begann sich mit seiner Schwester zu unterhalten und ruhte sich bis zum Abend aus.
Am Abend sagte die Schwester: „Geh jetzt schnell fort! Bald kommt mein Mann, der König aller Wassertiere, der Walfisch, nach Hause, und wenn er dich hier findet, verschlingt er dich. Er ist zwölf Tage ein Walfisch und zwölf Tage ein Mensch. Heute um Mitternacht wird er zwar zum Menschen, man kann ihm aber dennoch nicht trauen.“
Der König achtete nicht auf die Warnung der Schwester und blieb da. Plötzlich begann das Meer zu rauschen und zu brausen, daß es zum Fürchten war.
„Das ist mein Mann, der nach Hause kommt“, sagte die Schwester und versteckte den König unter den Baumwurzeln.
Der Walfisch kam nach Hause und fraß drei Mastochsen auf einmal auf. Während des Essens fragte er: „Sag mal, was ist denn das – hier riecht es nach einem Christenmenschen?“
„Es ist niemand da; wer weiß, vielleicht hast du, als du durch das Meer der Christenmenschen gekommen bist, irgendeinen Fisch gefressen, und der Geruch blieb dir in der Nase stecken“, erwiderte die Frau.
„Sehr richtig! Bei der letzten Biegung schwamm mir auch ein fixer Kaulbarsch in die Quere, den habe ich verschlungen“, sagte der Walfisch, legte sich nach dem Essen schlafen und wurde um Mitternacht zum Menschen.
Die Frau begann ihn dann auszufragen: „Sag, wenn mein Bruder, der König des Nordlandes, uns hier freundschaftlich besuchen käme, was würdest du dann tun?“
„Wie sollte dein Bruder hierherkommen, wo noch nie ein Mensch hiergewesen ist?“
„Wenn er nun aber doch kommen würde, würdest du ihm dann etwas Böses antun?“
„Was sollte ich ihm Böses antun? Ich würde ihn als deinen Bruder gut empfangen und ihm auch ein Geschenk geben, es sei denn, er hält mir vor, daß ich dich geraubt habe.“
Die Schwester ging, holte den König unter den Baumwurzeln hervor und brachte ihn in die goldene Stadt in ihr Haus, wo nach zwölf Tagen der Walfisch jedesmal zwölf Tage lang wohnte. Dort wurde der König als ein Verwandter mit großer Freude empfangen; es wurden ihm schöne Speisen und Getränke aufgetischt, und das alles im Laufe von zwölf Tagen.
Am Abend des zwölften Tages sagte der Walfisch zum König: „Jetzt mußt du ans Fortgehen denken, in der Nacht werde ich wieder zum Walfisch, und wenn du dann noch hier bist, muß ich dich verschlingen.“
Daraufhin gab er dem König noch drei Schuppen und sagte:
„Solltest du irgendwie in Not geraten, so verbrenne diese Schuppen, und ich komme dir zu Hilfe, doch – was ich vergessen habe zu fragen: Wohin willst du eigentlich gehen, da du so weit hergekommen bist?“
Der König erzählte, daß er gekommen sei, die Schwäger zu besuchen, und dann auch noch die Königstochter des Südlandes freien wolle, die der schönste Mensch auf der Welt sein sollte.
„Nun ja, du kannst ja dein Glück versuchen, aber ich denke, daß daraus nichts wird. Auch ich bin einst gegangen, um sie zu freien, doch wenn ich jetzt an die Schande und die Behandlung denke, ärgere ich mich immer wieder, und du bist weder so reich noch so stark wie ich.“
Der König hörte aber nicht darauf, sondern sagte mutig:
„Von mir aus soll mir der Bart abfallen oder der Unterkiefer zerbrechen, oder man soll mich wegen Unvermögens töten, doch mein Vorhaben gebe ich nicht auf, und ich kehre nicht auf halbem Wege um!“
Daraufhin nahm der Walfisch des Königs Taschentuch und sagte:
„Wenn du in deiner Not keine Zeit mehr haben wirst oder nicht mehr daran denkst, die Schuppen zu verbrennen, erfahre ich es durch dieses Taschentuch: Sobald das Taschentuch in meinen Händen rot wird, werde ich wissen, daß du in großer Not bist, und werde versuchen, dir, so schnell ich kann, zu Hilfe zu kommen, auch wenn ich selbst Gefahren zu befürchten hätte.“
Die Schwester gab ihm ein Tischtuch und belehrte ihn:
„Wenn du hungrig bist, so breite dieses Tischtuch aus, und sofort werden vierundzwanzig Diener zur Stelle sein, die dir die schönsten Speisen auftischen und alle deine Wünsche erfüllen werden. Es werden auch vierundzwanzig Musiker die schönsten beschwingenden Lieder spielen.“
Der König bedankte sich für die Geschenke und verabschiedete sich von der Schwester und dem Schwager und ging.
Er ging mehrere Tage geradeaus weiter und kam an ein Feuermeer. Wie sollte er hinüberkommen?! Er versuchte wohl, es zu umgehen, doch das Meer hatte keine Grenzen. Er setzte sich nieder und begann zu überlegen.
Plötzlich hörte er einen sonderbaren Lärm, und als er sich umsah, bemerkte er auf einem Baum ein großes Eulennest, in dem die Jungen schrien. Die alte Eule war aber nicht zu sehen.
Wer weiß, was ihnen fehlt? dachte der König. Plötzlich kam sein alter Bekannter, der Rabe, flogen und erklärte:
„Die alte Eule ist weit fort in fremdem Land und kommt vor drei Tagen nicht nach Hause, die Jun-gen aber werden vor Hunger sterben. Es kommt auch heute noch ein starker Hagel, der die Eulenjungen erschlagen wird, deshalb weinen sie jetzt. Du aber töte dein Pferd, gib das Fleisch den Jun-gen zum Fressen und decke sie mit der Pferdehaut zu; dann kann ihnen der Hagel nichts anhaben. Wenn die alte Eule nach Hause kommt und dir das vergelten will, verlange nichts anderes, als daß sie dich über das Feuermeer bringt.“
Der König tötete das Pferd, gab, wie ihm der Rabe gesagt hatte, den Eulenjungen „das Fleisch zum Fraß, die Haut zum Schutz“ und blieb selbst unter dem Baum, um zu warten, was nun werde.
Es begann stark zu hageln, der Hagel zerschlug ganze Äste mit den Blättern und sogar den Erdboden, doch die Eulenjungen blieben unter der Pferdehaut heil.
Am dritten Tage kam die alte Eule nach Hause und jammerte schon von weitem: „Jetzt sind mei-ne armen Kinder alle tot, ich will hin und mir wenigstens die Stelle ansehen.“
Sie kam zum Nest und sah: Vor den Jungen lag ein Haufen Fleisch, und eine Pferdehaut bedeckte sie. Sie überlegte und sprach: „Ich weiß nicht, wer das für mich getan haben könnte; ich würde es ihm mehrfach vergelten.“
„Ich!“ sagte der König und kam unter dem Baum hervor.
„Sei tausendmal bedankt! Verlange jetzt als Lohn, was du nur willst, ich werde deinen Wunsch erfüllen.“
„Nichts anderes, als daß du mich über das Feuermeer trägst“, verlangte der König.
„Oh, Freund! Das ist die schwerste Arbeit auf der Welt, und ich würde es niemals tun, wenn ich nicht vorher versprochen hätte, alle deine Wün-sche zu erfüllen. Nun höre aber, was du dazu noch tun mußt. Hier liegen vierundzwanzig leere Tonnen. Suche im Wald erst so viele Vögel, wie in zwölf Tonnen hineingehen; die zwölf anderen Tonnen fülle mit Wasser, binde sie paarweise zusammen und lade sie mir auf den Rücken. Setze dich dann selbst auf die Tonnen und schau die ganze Zeit auf meinen Schnabel. Wenn ich beim Überfliegen des Feuermeeres zurückschaue, nimm aus der Tonne einen Vogel und stecke ihn mir in den Schnabel. Wenn ich zum zweiten Male zurückschaue, nimm Wasser und gib mir zu trinken!“
Der König tat, wie ihn die Eule geheißen hatte. Es vergingen zwölf Tage, ehe die Tonnen voll Vögel, und noch zwei Tage, bis die Tonnen mit Was-ser gefüllt und die Reisevorbereitungen getroffen waren.
Dann begann die Reise über das Feuermeer. Obwohl die Eule mit Windesgeschwindigkeit dahinflog, dauerte die Reise doch vierundzwanzig Tage und Nächte.
Sowie die Eule zurückschaute, steckte ihr der König einen Vogel in den Schnabel, und beim zweitenmal gab er Wasser, dann stiegen sie wieder höher. Wenn aber der König nach unten schaute und nicht bemerkte, daß die Eule zurückschaute, sanken sie so tief hinunter, daß die Flügel der Eule im Feuer knisterten und die Füße des Königs zu versengen begannen.
Einmal stiegen sie wieder so hoch, daß die Wolken dem König die Mütze vom Kopf schoben. Zwar befahl der König der Eule zu halten, um die Mütze zu holen, doch die Eule sagte, daß die Mütze inzwischen dreihundert Meilen zurückgeblieben sei.
Schließlich kamen sie mit großer Mühe über das Feuermeer, und die Eule setzte den König am Ufer ab. Der König des Nordlandes ging sofort in die Stadt des Königs des Südlandes, wo die schöne und weltberühmte Königstochter herrschte.
Als der König zur Königstochter vorgelassen wurde und seine Werbung vorgebracht hatte, ließ ihn die Königstochter sofort lebenslänglich ins Ge-fängnis stecken, denn: wie konnte es so ein Land-streicher aus dem Nordlande wagen, um sie zu freien.
Im Gefängnis waren noch viele frühere Freier, alles vornehme und kräftige Männer und Königs-söhne, die jeden Tag einmal Wasser und Brot zum Essen erhielten. Dem König des Nordlandes wurde ebenfalls Wasser und Brot gebracht, damit er nicht verhungere. Doch der König zerschlug das Wassergeschirr und schlug dem Essenträger die Faust mehrmals ins Gesicht und heizte ihm so ein, daß er noch lange daran dachte. Der Essenträger ging mit blauem Auge zur Königstochter und klagte, daß der neue Gefangene ein schrecklicher und böser Recke sei, der das Wassergeschirr zerschlagen und ihn selbst habe töten wollen. Die Königs-tochter befahl, dem König dafür drei Tage nichts zu essen zu geben.
Der König aber breitete das Tischtuch aus, das ihm die älteste Schwester geschenkt hatte, und sofort waren vier prächtige königliche Diener zur Stelle, die verschiedene schöne Speisen heranschleppten, und vier Musiker spielten verschiede-ne schöne Stücke, so daß man Lust zum Aufspringen bekam.
„Seht, so ißt unseresgleichen, aber nicht Wasser und Brot, was selbst unsere Hunde nicht haben wollen!“ sagte der König zu den Mitgefangenen und lud sie zum Essen ein.
Die Königstochter hörte, daß es im Gefangenenturm einen großen Lärm gab, und schickte den Essenträger nachsehen, was dort los sei. Der wagte nicht hineinzugehen, denn er fürchtete, wieder Prügel zu beziehen, und schaute nur durch einen Spalt in der Tür hinein. Und er sah: Vor dem König ein ausgebreitetes Tischtuch voll teu-rer Speisen, alle Gefangenen sitzen herum, essen und trinken. Prächtige Diener gehen umher, und Musiker spielen, was das Zeug hält.
Er ging zurück und erzählte, daß die Sache so und so sei, der neue Gefangene habe ein Tischtuch vor sich mit noch teureren Speisen darauf, als es sie im Schloß der Königstochter je gegeben habe, und alle essen, wozu die Musiker Lieder spielen, die schöner sind als die ihrer eigenen Musiker.
Sofort ließ die Königstochter fragen, ob der König das Tischtuch nicht verkaufen würde.
„Wenn die Königstochter das Tischtuch kaufen will, dann soll sie selbst zu mir kommen und fra-gen; und sie soll von Glück reden, daß ich, der König des Nordlandes, solche wie sie überhaupt zu mir vorlasse – dich aber will ich überhaupt nicht kennen!“ antwortete der König dem Essenträger.
Der Essenträger ging zurück und überbrachte die Worte des Königs.
Die Königstochter ärgerte sich zwar tüchtig, doch sie hatte sehr großes Verlangen nach einem solchen Tischtuch; deshalb schickte sie den Es-senträger wieder zurück und befahl ihm, den König zu bitten, zu ihr zu kommen. Damit war der König zufrieden und ging ins Schloß.
„Könntest du mir dieses Tischtuch verkaufen?“ fragte die Königstochter.
„Ich würde es verkaufen“, entgegnete der König, „doch für Geld verkaufe ich es nicht.“
„Was willst du dafür haben?“
„Geld brauche ich nicht, davon habe ich selbst genug. Bei uns im Nordland wird gesprochen, du sollst der böseste und der schönste Mensch auf der ganzen Welt sein. Böse bist du zwar, aber ich zweifle, ob du ebenso schön bist, wie du gerühmt wirst – zeige mir also deinen nackten Hals und deine nackten Arme, dann bekommst du das Tischtuch.“
Die Königstochter schickte den König voller Wut zurück in den Gefängnisturm, doch schließlich ging sie zu ihrem klügsten Ratgeber, um sich mit ihm zu beraten.
„Was ist denn dabei, zeige sie ihm doch!“ sagte der Ratgeber. „Unser Gold und Silber bleibt uns, und von dir wird er ja kein Stück wegnehmen.“
Sie ging zurück, entblößte den Hals und die Arme und sagte zum König: „Da hast du, schau!“
Der König betrachtete sie eine Weile und beroch ihren Hals und ihre Arme kreuz und quer, von vorn und von hinten, schikanierte sie auf jede Weise und zog die Zeit in die Länge. Dabei pfiff er zuweilen und versuchte die Königstochter in Wut zu bringen. Schließlich entrüstete er sich noch:
„Nicht zu glauben, was die Menschen so reden! Da heißt es immer, die Königstochter des Südlandes sei der schönste Mensch auf Erden. Und da hat man’s nun: Wo ist sie die Schönste, sie hat genau einen Körper wie die anderen! Ich habe immer gedacht, wenn du die Schönste bist, dann wäre dein Körper aus Gold oder wer weiß welchem anderen teuren Zeug; aber da hat man’s – alle Mädchen im Nordland haben einen solchen Körper wie du! Lohnte es sich denn für mich, frei-en zu kommen und heute auch noch Zeit zu ver-geuden, um dich anzuschauen und nun für das Anschauen auch noch die teure Tischdecke wegzugeben?“
Die Königstochter bekam die Tischdecke und befahl, den König wieder ins Gefängnis zu bringen und ihm drei Tage lang nichts, nicht einmal eine Brotrinde zu geben. Sie selbst breitete die Tischdecke aus und fing an zu feiern, wie zuvor der König.
„Da hast du es, du Lumpenkerl, hungere jetzt nur! Wie konntest du es wagen, mich so zu ver-höhnen!“ beschimpfte sie den König noch hinter-drein.
„Ach du Dummkopf, was hast du bloß getan!“ begannen die anderen Gefangenen zu klagen. „Du hast die Tischdecke weggegeben, nun werden wir alle Hungers sterben, oder wir müssen uns wieder von Wasser und Brot ernähren!“
„Das macht gar nichts“, sagte der König und breitete die Tischdecke aus, die ihm die mittlere Schwester geschenkt hatte.
Sofort waren zwölf prächtig gekleidete Diener zur Stelle, und sie trugen die teuersten Speisen in großer Menge auf. Dabei spielten zwölf Musiker so schöne Weisen, daß man am liebsten das Tanzbein geschwungen hätte!
„So lebt unseresgleichen, und nicht von Wasser und Brot!“ sagte der König und forderte auch die anderen zum Essen auf.
Die Gefangenen waren fröhlich, aßen und san-gen, die Musiker bliesen auf dem Dudelsack, daß es schallte und der Lärm bis zur Königstochter drang. Sie schickte wieder den Essenträger, um nachzuschauen, was das für Lärm sei.
Der Essenträger kommt, schaut durch die Ritze: Vor dem König liegt wieder eine Tischdecke mit teuren Speisen darauf; die Gefangenen essen und singen, es sind sogar zwölf Diener und ebenso viele Musiker da. Hineinzugehen wagte er nicht.
Er ging zurück zur Königstochter und berichtete ihr, die Sache sei so und so, der König habe wie-der eine Tischdecke vor sich mit noch teureren Speisen darauf als auf der, die die Königstochter habe, sie säßen alle herum und ließen sich Essen und Trinken wohl bekommen; und an Dienern und Musikern seien es bereits zwölf.
Die Königstochter wurde furchtbar neidisch und böse und schickte den Essenträger zum König mit der Frage, ob er ihr nicht die Tischdecke verkau-fen möchte.
„Soll doch diejenige fragen kommen, die die Tischdecke haben will, und nicht andere zu mir schicken, als sei sie wer weiß wer – sie, ein Nichtsnutz des Südlandes, die ich, der berühmte König des Nordlandes, nur aus Gnade mit mir reden lasse“, sagte der König und jagte den Essenträger zur Tür hinaus.
Der Essenträger ging ins Schloß und wiederholte dort die Worte des Königs.
Die Königstochter geriet in maßlose Wut; doch ihr Neid, daß der König eine bessere Tischdecke hatte als sie, ließ sie nicht mehr los, und er kühlte ihren Ärger etwas ab. So ließ sie den König bitten, zu ihr aufs Schloß zu kommen.
Nun werde ich dich aber ordentlich zum Narren halten, dachte der König und ging ins Schloß.
„Höre mal, du sollst da noch ein anderes, viel besseres Tischtuch haben als das vorherige?“ fragte ihn die Königstochter.
„Nun, ich werde doch dir nicht das bessere ge-ben!“
„Würdest du mir nicht das bessere ebenfalls verkaufen?“
„Ich würde es schon verkaufen, wenn wir uns einigten; doch für Geld verkaufe ich es nicht.“
„Was willst du dann dafür haben?“
„Öffne oben dein Hemd und zeige mir deinen Körper von der Brust an“, verlangte der König.
„Wen narrst du, bin ich dein Hund?“ schrie ihn die Königstochter mit wütender Stimme an.
„Ist der Preis zu hoch, dann handle nicht, das Tischtuch kann ich auch selbst gebrauchen – und ich zweifle, ob dein Gaumen den Geschmack so teurer Speisen überhaupt zu schätzen weiß!“
Die Königstochter überlegte und ging wieder zum klügsten Ratgeber, um ihn um Rat zu fragen.
„Was ist denn dabei, zeige dich ihm doch! Die anderen sehen es ja nicht, und er nimmt auch kein Stück von dir weg; unser Reichtum aber bleibt unangetastet“, sagte der Ratgeber.
Sie ging zurück, zog das Hemd bis zur Brust herunter und ließ den König schauen.
Der König ging um sie herum, schaute die Kö-nigstochter von vorn und von hinten an, pfiff da-zwischen und zog die Zeit auf jede Weise in die Länge. Schließlich begann er sich noch zu entrüsten: „Da soll man glauben, was die Menschen so reden! Es wird immer behauptet, daß die Königs-tochter des Südlandes die Schönste überhaupt sei, dabei ist sie gar nicht schön! Ich habe nun geglaubt, dein Körper wäre aus Gold oder einem anderen teuren Zeug, aber da haben wir’s – ge-nau solch ein Körper wie bei anderen Mädchen! Ein schöner Grund, eine so weite Reise zu ma-chen, um zu freien und heute zum zweiten Mal beim Anschauen so viel Zeit zu vergeuden – und nun auch noch die gute Tischdecke loszuwerden!“
Sowie die Königstochter die Tischdecke in den Händen hielt, befahl sie, den König wieder ins Ge-fängnis zu bringen und ihm sechs Tage lang kein Stück Brot und kein Wasser zu geben, weil er es gewagt hatte, die Königstochter so zu verhöhnen. Sie selbst breitete das Tischtuch aus und begann mit ihren hohen Herren zu feiern wie vorher der König.
„Oh, du Dummkopf, was hast du getan!“ klag-ten die anderen Gefangenen. „Jetzt hast du auch diese Tischdecke weggegeben, was fangen wir nun an? Wer weiß, ob man uns noch Brot und Wasser bringt, sonst müssen wir Hungers sterben!“
„Macht nichts, noch sterben wir nicht!“ lachte der König und breitete das von der jüngsten Schwester geschenkte Tischtuch aus. Plötzlich wa-ren vierundzwanzig prächtig gekleidete königliche Diener zur Stelle, die auf die Tischdecke unzählige Mengen verschiedener teurer Speisen schleppten, dabei spielten vierundzwanzig Musiker so schöne Stücke, daß die Beine durchaus nicht stillhalten wollten.
„So speist unseresgleichen, die großen Männer und die berühmten Könige. Und sie sterben nicht vor Hunger, wie ihr es befürchtet und wie es die hochnäsige Königstochter gern gesehen hätte“, sagte der König und bat auch alle anderen Gefan-genen zum Essen.
So aßen und tranken sie, jubelten und sangen wie bei einem Festschmaus und wußten nicht, was sie noch alles in ihrer übermütigen Laune an-stellen sollten.
Die Königstochter hörte erneut den Lärm und schickte den Essenträger nachsehen, was denn bei den Verrückten wieder los sei.
Der Essenträger kam und schaute durch die Ritze: Vor dem König ist ein neues Tischtuch aus-gebreitet, und noch schönere Speisen stehen dar-auf. Die Gefangenen essen und trinken und sin-gen Lieder wie bei einer Hochzeit; vierundzwanzig Musiker spielen ihre Lieder!
Er kehrte zur Königstochter zurück und berich-tete, so und so sei die Sache, die Gefangenen hätten eine neue Tischdecke mit noch besseren Speisen darauf als auf den zwei ersten, welche die Königstochter bekommen habe, und an Dienern seien es schon vierundzwanzig und ebenso viele Musiker.
„Wo, zum Teufel, kriegt er alle die Tischtücher her, und wie viele hat er davon? Wie soll ich mit diesem Quälgeist fertig werden?“ schimpfte und fluchte die Königstochter und schickte den Essenträger nochmals mit der Frage, ob er ihr nicht auch diese Tischdecke verkaufen würde.
„Scher dich zum Teufel oder kriech meinetwegen der Katze unter den Schwanz; aber komm nicht noch einmal her, mich zu stören!“ fuhr der König den Essenträger an. „Wenn bei dieser lä-cherlichen Königstochter der Wams so leer ist und sie nirgends mehr ein Stückchen Brot findet, dann soll sie doch selbst herkommen! Ich werde ihr etwas zu essen geben, und sie soll von Glück reden, wenn ich ihr nicht die Tür weise, sie soll nur nicht fortwährend andere schicken, als sei sie selbst wer weiß wer!“
Der Essenträger wiederholte der Königstochter alle Worte des Königs.
Ihre Wut war größer als sie selbst, doch schließlich bezähmte sie sich etwas und ließ den König wieder zu sich bitten. Der König war auch nicht ungefällig und ging.
„Höre, du sollst da noch ein drittes und bestes Tischtuch haben?“
„Sollte ich etwa das beste und letzte dir ge-ben?“
„Verkaufst du es denn auf keinen Fall?“
„Für Geld niemals.“
„Was willst du dann dafür haben?“
„Eine Nacht bei dir schlafen.“
„Bist du denn ganz verrückt geworden?“
„Was willst du also mit einem Verrückten handeln? Der Verrückte hat Bessere, denen er das Tischtuch auch ohne Bezahlung geben kann.“
Die Königstochter dachte nach und ging dann wieder zum Ratgeber, um ihn um Rat zu fragen.
„Was ist denn dabei, schlaf doch mit ihm“, sagte der Ratgeber. „Er wird dir ja kein Stück weg-nehmen; sollte er dir aber zu nahe treten, dann rufe, es werden die Soldaten schon kommen.“
Die Königstochter kam zurück und sagte dem König, daß sie mit dem Handel einverstanden sei.
Am Abend kam der König und legte sich ins Bett der Königstochter schlafen. Nach einiger Zeit kam auch die Königstochter und drehte das Ge-sicht zum König, doch der König kehrte ihr den Rücken zu. Bald darauf schob sich die Königstochter wieder auf die andere Seite des Königs, sei-nem Gesicht zu.
„An deinem Körper ist nichts Lobenswertes, deine Taten sind noch schlimmer“, schimpfte der König. „Nun willst du wohl, daß ich dich in die Ar-me nehme, obwohl du es gar nicht wert bist. Du müßtest von Glück reden, daß ich dich hinter meinem Rücken dulde, und du drängst dich im-mer zum Gesicht!“
So beschimpfte sie der König auf jede Weise und drehte ihr jedesmal, wenn die Königstochter nach vorn kam, den Rücken zu. Schließlich fing die Königstochter an zu bitten, der König möchte ihr die alte Schuld verzeihen, sie in die Arme und zu seiner Frau nehmen, sie wolle die beste Frau der Welt sein. Der König sah, daß er schließlich doch gesiegt hatte, und nahm die Königstochter in seine Arme. Am nächsten Morgen ließen sie sich trauen und hielten eine große und prächtige Hochzeit. Alle Gefangenen wurden freigelassen und zur Hochzeit eingeladen. Zu essen und zu trinken gab es auf den drei Tischdecken genug, und es blieb noch viel übrig.
Nach der Hochzeit gab die Königstochter dem König sieben Schlüssel und sagte: „Herrsche jetzt über das Südland genauso wie über das Nordland, ich bin nur noch deine Frau. Diese Schlüssel öffnen hier alle Türen im Schloß; doch hüte dich davor, die mit sieben Siegeln verschlossene Tür zu öffnen, dann gibt es ein großes Unglück.“
Der König lebte und herrschte mit seiner jungen Frau zufrieden und glücklich, denn bei der Frau war von der früheren Bosheit nichts übriggeblieben.
So verging einige Zeit. Der König war jedoch sehr begierig zu erfahren, was die mit sieben Siegeln verschlossene Kammer barg.
Dort aber wurde ein sehr böser Hexer gefan-gengehalten, der ebenfalls einmal gekommen war, um die Königstochter zu freien. Die Königs-tochter war jedoch so mächtig, daß sie den Hexer hatte einschließen können. Sowie der König die Tür einen Spalt breit geöffnet und hineingeschaut hatte, schlüpfte der Hexer heraus und befahl dem König, ihm ein Glas Wasser zu bringen.
Der König brachte es, der Hexer trank das Was-ser aus und sagte: „Einmal wird dir vergeben werden“, und er befahl, noch mehr Wasser zu bringen.
Der König brachte das zweite Glas Wasser, der Hexer trank es aus und sagte: „Zweimal wird dir vergeben werden“, und er befahl, ein drittes Glas Wasser zu bringen.
Der König brachte es, der Hexer trank aus und sagte: „Jetzt wird dir dreimal vergeben werden, aber begehe keine vierte Schuld, ich habe wieder meine frühere Macht.“
Der König lief auf den Hof, die Soldaten zu Hilfe zu rufen, um den Hexer wieder einzusperren. Doch der war inzwischen schon weg und hatte die Königstochter mitgenommen. Alles Weinen und Suchen war erfolglos, der König fand nirgends seine Frau. Schließlich kam der bekannte schwar-ze Vogel und berichtete dem König, daß der Hexer seine Frau weit, weit in einem Berge gefangen halte. Er wies auch den Weg, der dahin führte, sagte jedoch, daß an eine Rettung gar nicht zu denken sei. Der Hexer halte sie als seine Frau, und er halte ein fliegendes Pferd, das Tag und Nacht in jede Richtung schaue und die Königstochter bewache, damit ihr keiner zu nahe kom-me.
„Es komme, was da kommt, Tod oder Leben, ich werde sie doch zu retten versuchen, soweit es in meinen Kräften steht“, sagte der König und machte sich am selben Tag noch auf den Weg, in die Richtung, die ihm der schwarze Vogel gewiesen hatte.
Nach sieben Wochen gelangte er in die Nähe des Berges, versteckte sich dort und schickte den schwarzen Vogel, heimlich die Kunde zu bringen, daß er gekommen sei, um die Königstochter zu retten und zu fragen, wann sie die Zeit für die Flucht für günstig halte.
Der schwarze Vogel flog oft hinüber und her-über und trug beiden heimliche Botschaften zu. Sodann führte er den König ganz in die Nähe der Königstochter in ein Versteck und befahl ihm zu warten, bis ihr die Flucht irgendwie gelänge, dann würde sie sofort ins Versteck kommen, und sie sollten versuchen, zusammen nach Hause zu gehen.
Einmal war dann der günstige Augenblick ge-kommen, als der Hexer mit seinem fliegenden Pferd aus dem Haus geritten war und die Königs-tochter nach den Weisungen des schwarzen Vo-gels in dieser Zeit zu ihrem Mann gelangen konn-te. Zusammen begaben sie sich auf die Flucht nach Hause.
Leider waren sie noch nicht weit gekommen, als der Hexer mit seinem Pferd nachgeflogen kam, dem König die Frau entriß und dabei sagte: „Ein-mal wird dir verziehen“, und die Königstochter wieder wegbrachte.
Der König gab aber nicht auf, paßte wieder die Gelegenheit ab und entführte dem Hexer seine Frau zum zweiten und zum dritten Mal. Doch je-desmal jagte der Hexer hinterher, holte die Königstochter zurück und sagte: „Dieses Mal wird dir verziehen.“
Als aber der König zum vierten Mal die Frau wegbrachte und der Hexer ihn unterwegs einholte, sagte er zum König, wie er es versprochen hatte, als er im Schloß der Königstochter Wasser getrunken hatte: „Jetzt wird dir nicht mehr verziehen“, und er zerriß den König, warf die Stücke in alle vier Winde und brachte die Königstochter wieder fort.
Der Löwe, der Adler und der Walfisch sahen, daß die eingetauschten Taschentücher rot wurden, begriffen sofort, wie die Dinge standen, und gingen auf die Suche nach dem Leichnam des Kö-nigs aus dem Nordland. Der Löwe durchsuchte die Ebene, der Adler die Berge und der Walfisch das Wasser nach den Stücken des Leichnams. Sie fanden sie, trugen sie zusammen, und der schwarze Vogel flog und holte aus Adams Brunnen in zwei Lederbeuteln zwei Arten von Wasser, wovon das eine wieder heil und das andere lebendig machte. Der Adler zerriß zuerst zur Probe den schwarzen Vogel, betropfte die Stücke mit dem heilenden Wasser, und sofort wuchsen die Stücke zusammen, als wären sie nie zerrissen gewesen. Dann tropfte er das wiederbelebende Wasser darauf, und – o Wunder – der schwarze Vogel erwachte wieder zum Leben.
Nun betropften sie die Stücke des Königs des Nordlandes genauso mit dem heilenden Wasser, und aus den Stücken wurde ein ganzer Körper. Dann begossen sie den Körper mit dem wiederbelebenden Wasser, und der König erwachte zum Leben.
„Oh, war das ein Schlaf! Ich war eingeschlafen, und der Hexer hat wieder meine Frau gestohlen!“ sagte der König und stand auf.
Die Schwäger erzählten ihm, wie sich die Sache verhielt, wie sie, als die eingetauschten Taschentücher rot wurden, ihn überall gesucht und die Stücke in allen vier Winden gefunden, wie sie ihn wieder heilgemacht und zum Leben erweckt hat-ten.
Nun erinnerte sich der König auch seiner Ge-schicke und erzählte alles von Anfang bis Ende. Die Schwäger staunten, daß er die Königstochter des Südlandes habe zur Frau gewinnen können, doch sie klagten auch darüber, daß sie gegen den mächtigen und schrecklichen Hexer machtlos sei-en. Er sterbe niemals, auch wenn man ihn tau-sendmal erschlage, denn seine Seele sei an einem geheimen Ort versteckt. Wenn man diese Stelle irgendwie finden würde, dann könnte man den Hexer sofort töten.
Der König sagte, er werde so lange versuchen, bis es ihm gelänge, den Hexer zu töten und die Frau zurückzubekommen. Er verabschiedete sich und ging davon, um die Seele des Hexers zu su-chen. Er suchte und suchte, suchte überall, kroch durch Moore, durchforschte alle abseits liegenden Orte, steckte die Nase in jeden Winkel der Welt – was nicht zu finden war, war nicht zu finden. Schließlich überfiel ihn großer Hunger, doch zu essen gab es nichts. In seiner Not fing er an Flie-gen zu fangen, um sie zu essen.
Die Fliegen aber baten: „Töte uns nicht, wir werden dir in der Not helfen!“
Er ließ sie leben und schleppte sich mit Mühe ein Stück weiter. Der Hunger läßt nicht mit sich spaßen – er begann Bremsen zu fangen.
Die Bremsen baten: „Töte uns nicht, wir werden dir in der Not helfen!“
Er ließ sie leben und schleppte sich noch etwas weiter, der Hunger machte ihn ganz schwach. Er kam an einen Fluß und begann Krebse zu fangen.
Die Krebse baten ihrerseits: „Fang uns nicht, wir werden dir in der Not helfen!“
Er erfüllte auch ihre Bitte, setzte sich nieder und erwartete den Tod. Zum Glück bemerkte er im Wald ein Haus und kroch dort hin.
Im Hause saß eine Alte und fragte mit schreck-licher Stimme: „Wer bist du, was willst du?“
„Ich bin ein hungriger Wanderer und möchte essen“, antwortete der König.
„Zu essen kannst du bekommen, doch nicht umsonst; du sollst mir drei Tage die Pferde hüten. Schaffst du es, die Pferde zu bändigen und jeden Abend nach Hause zu treiben, bekommst du zum Lohn ein Pferd – welches du willst. Schaffst du es nicht, gehört dein Kopf mir.“
Dar König war mit dem Handel einverstanden, bekam zu essen und legte sich schlafen. Die Alte aber war die Frau des Teufels, und die zwölf Pfer-de waren ihre zwölf Töchter, die kein Mensch bändigen konnte. Auf diese Weise hatte sie schon viele Seelen gewonnen.
Am Morgen ging der König mit den Pferden auf die Weide. Sowie die Pferde aus dem Tor heraus waren, hoben sie die Schwänze in die Höhe und jagten wie der Wind durch die Weide. Zwar lief ihnen der König hinterher und suchte sie fast bis zum Abend, konnte aber kein einziges finden.
Schließlich setzte er sich hin, weinte und sprach vor sich hin: „Was habe ich von all meiner Ehre und meiner Macht, ich muß nun doch heute ster-ben!“
„Sei nur ruhig, wir werden dir schon helfen!“ riefen die Fliegen.
Als der Tag zur Neige ging, kamen die Pferde, von Schmerzen geplagt, das eine aus der einen, das andere aus der anderen Richtung, und liefen alle nach Hause, direkt in den Stall.
Der König kam hinterher und schloß hinter ih-nen die Stalltür. Die Alte schien sehr böse zu sein, doch der König achtete nicht darauf, aß sich satt und legte sich schlafen.
In der Nacht wachte er auf und hörte, wie die Alte im Stall die Pferde prügelte und wütend schimpfte: „Ihr ungezogenen Töchter, ihr Nichts-nutze, hab’ ich euch das gelehrt? Ihr lauft nach Hause“, und was sie da noch anderes schrie.
„Liebes Mütterchen“, flehten die Töchter sie an, „wohin sollten wir denn gehen, die Fliegen waren heute besonders bösartig, sie ließen uns nirgends in Frieden, wir mußten in unserer Not nach Hause kommen.“
„Wenn es auf der offenen Fläche keine Ruhe gab, dann solltet ihr in den Wald gehen, aber nicht nach Hause kommen“, belehrte sie die Alte, gab den Töchtern noch ein paar tüchtige Hiebe und ging ins Zimmer.
Nun begriff der König, wer die Alte mit ihren Pferden war, machte sich aber nichts daraus, drehte sich auf die andere Seite und schlief wieder ein.
Am Morgen, als sie auf die Weide getrieben wurden, jagten die Pferde sofort über die Lichtung in den Wald und verschwanden dort wie am vori-gen Tag. Zwar lief der König hinterher und suchte sie fast bis zum Abend, fand aber kein einziges.
Schließlich setzte sich der König unter einen Baum, weinte und beklagte sich selbst: „Was hat-te das für einen Nutzen, daß die Fliegen sie ge-stern von der Lichtung nach Hause getrieben ha-ben, heute kann ich sie im Walde nicht fangen und muß sterben!“
„Macht nichts, wir werden dir schon helfen“, sagten die Bremsen.
Als der Tag zur Neige ging, liefen die Pferde aus dem Walde heraus und jagten nach Hause, bis sie im Stall waren, genau wie gestern.
Der König kam hinterher und schloß die Stall-tür. Die Alte war furchtbar wütend; doch der Kö-nig beachtete es nicht, aß zu Abend und legte sich hin.
In der Nacht wachte er auf und hörte, wie die Alte, wie am vergangenen Tag, die Töchter wieder verprügelte und beschimpfte, warum sie am Abend nach Hause gelaufen seien.
„Liebes Mütterchen, wohin sollten wir denn ge-hen“, flehten die Töchter, „wir liefen zwar von der Lichtung den Fliegen davon in den Wald, doch dort kamen die Bremsen; sie waren furchtbar bösartig und gaben uns nirgends Ruhe, in der Not liefen wir schließlich nach Hause!“
„Wenn ihr schon nirgends einen Platz fandet, so hättet ihr ins Wasser gehen sollen, da können die Bremsen nicht hin, aber nicht nach Hause laufen!“ schimpfte die Alte, versetzte den Töchtern mit der Peitsche noch einige tüchtige Schläge und ging in die Stube.
Am folgenden Morgen ging der König wieder mit den Pferden auf die Weide; die Pferde aber jagten über die Lichtung und durch den Wald bis zum Fluß. Der König lief hinterher, suchte sie fast bis zum Abend, fand aber kein einziges.
Schließlich setzte er sich am Flußufer nieder, weinte und klagte: „Was nützt es mir, daß an zwei Tagen die Pferde nach Hause gejagt wurden, heu-te muß ich dennoch sterben!“
„Macht nichts, wir werden dir schon helfen“, sagten die Krebse.
Am Abend kamen die Pferde aus dem Wasser heraus und jagten dem Hause zu, bis sie in einem Stallwinkel waren.
Der König kam hinterher und sagte zur Alten: „Drei Tage habe ich gedient und die Pferde or-dentlich nach Hause gebracht, seid Ihr zufrieden?“
Die Alte barst beinahe vor Wut, bezähmte sich aber dann, machte ein gutes Menschengesicht und entgegnete: „Ruhig, ruhig, Kindchen, ich will ja nicht zuviel haben! Morgen früh gebe ich dir den vereinbarten Lohn, dann kannst du gehen, wohin du willst.“
Der König aß sich satt und legte sich schlafen. In der Nacht hörte er wieder, wie die Alte die Töchter unbändig züchtigte und schlug, weil sie nach Hause gekommen waren.
„Liebes Mütterchen, wohin sollten wir gehen“, flehten die Töchter schluchzend, „auf der Lichtung gab es keine Ruhe und auch im Walde nicht, Flie-gen und Bremsen stachen überall; wir flohen in den Fluß, dort aber war es noch schlimmer: Die Krebse wollten uns mit ihren Scheren die Seele herausquetschen, in der Todesangst liefen wir schließlich nach Hause.“
Die Alte aber schlug ununterbrochen auf die Töchter ein, bis sie schließlich selbst müde wurde, dann ging sie in die Stube.
Der Freund Rabe kam wieder zum König und belehrte ihn: „Morgen früh, wenn die Alte dich ein Pferd aussuchen läßt, nimm keins, es sind die Töchter der Alten, wie du weißt. Sobald du dich auf den Rücken eines Pferdes setzt, zermalmt es dich zu Häcksel und Brei. Du mußt widersprechen, sag ihr, du seist eines so hohen Lohnes nicht wert, und erbitte dir den Sohn der Kröte, der die Mutter saugt und sich hinter sieben Schlössern aufhält. Die Kröte ist die Mutter des fliegenden Hengstes des Hexers, und der Sohn ist sein Bru-der. Auf dem Rücken dieses Sohnes kannst du gegen den großen Hexer ziehen. Zuerst wird ihn die Alte dir nicht geben wollen, wenn du aber dar-auf bestehst, wird sie schon nachgeben.“
Am Morgen hieß die Alte den König sich ein Pferd zum Lohn aussuchen, doch der König sagte, daß für drei Tage Dienst dieser Lohn zu hoch sei, und erbat sich den Sohn der Kröte, der die Mutter saugt und hinter sieben Schlössern sitzt. Zwar lehnte sich die Alte dagegen auf, sagte „Was hast du von ihm“ und „Was fängst du mit ihm an“; doch schließlich gab sie ihn, und der König ging fort.
Unterwegs sagte der Krötensohn zum König: „Ich weiß wohl, warum du mich für dich erbeten hast. Du willst auf meinem Rücken gegen den großen Hexer ziehen, der deine Frau gefangenhält und auf meinem älteren Bruder reitet. Jetzt laß mich aber noch drei Tage zu meiner Mutter, um zu saugen und kräftig zu werden. Ich bin noch sehr jung.“
Der König ließ ihn gehen.
Nach drei Tagen kam der Sohn der Kröte zu-rück und bat um weitere drei Tage, damit er sich von der Mutter belehren lassen könne.
Der König ließ ihn wieder ziehen.
Dann bat er nochmals um drei Tage, um sich verzauberte Waffen von der Mutter zu holen, mit denen man alle besiegen kann.
Der König ließ ihn abermals gehen.
Als der Sohn der Kröte zum dritten Mal zurück-kam, war er ein prächtiger fliegender Hengst und trug Waffen auf dem Rücken.
Der König bewaffnete sich, sprang ihm auf den Rücken und jagte davon, um mit dem großen He-xer zu kämpfen.
„Oh, oh – du scheinst ja ein starker Mann zu sein, da du dich mit mir auf dem Rücken meines Hengstbruders schlagen willst, bisher warst du doch nur heimlich gekommen“, spottete der Hexer und jagte sein Pferd auf den König.
Dem König gelang es, zur Seite auszuweichen, und dann schlug er dem Hexer mit einem Hieb den Kopf ab. Dem Hexer wuchs sofort ein zweiter Kopf nach, und er jagte dem König hinterher. Nur mit Mühe gelang es dem König, sich auf seinem fliegenden Hengst vor dem Hexer zu verstecken.
In der Nacht schickte er den Raben, damit die-ser der Frau heimlich sagte, sie solle versuchen, sich mit dem Hexer gut zu stellen, um dann von ihm herauszubekommen, wo sich seine Seele be-finde.
Die Sache klappte auch. Der Königstochter ge-lang es, den Hexer so weit zu überlisten, daß er anfing ihr zu glauben und ihr in der dritten Nacht sagte, wo seine Seele sei:
„Meine Seele ist in einem Ei, das Ei ist in einer Ente, die Ente fliegt über dem Meer, und dort kann sie niemand fangen, nur ich selbst“, berich-tete der Hexer.
Der Rabe überbrachte es dem König, der König versengte eine Feder und rief seinen Schwager, den Adler, zu Hilfe. Der Adler flog hin und fing die Ente, doch die Ente warf das Ei ins Meer. Der Kö-nig verbrannte Schuppen und rief den Walfisch zu Hilfe. Der Walfisch kam mit seinem ganzen Heer zu Hilfe, suchte, fand das Ei im Meer und gab es dem König.
Der König ging hin und kroch heimlich unter das Bett des Hexers. Dort fing er an das Ei zu drücken. Der Hexer begann im Bett zu stöhnen. Der König drückte stärker, der Hexer stöhnte auch stärker. Der König zerdrückte das Ei, und der Hexer war tot.
Jetzt bekam der König seine Frau zurück und setzte sie auf den Rücken seines Hengstes; selbst setzte er sich auf den Rücken des Hengstes vom Hexer, und dann ging es nach Hause. Auch den ganzen Reichtum des Hexers nahm sich der König mit. Davon gab es so viel, daß der Walfisch sieben Jahre an dem zu schleppen hatte, was der Löwe und der Adler an das Meeresufer brachten. Der König herrschte glücklich über das Nord- und das Südland und lebte mit seiner jungen und schönen Frau bis zu seiner Todesstunde.



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