Wie der Dummkopf die Königstochter gewann

Es waren einmal drei Brüder: zwei kluge und ein ganz dummer. Die klugen Brüder erbten das ganze Vermögen des Vaters, der dumme aber nur eine Flöte, nach deren Klängen alle tanzen mußten.
Einst ging den Männern das Brot aus, und der älteste Bruder ging zum König, um von ihm Brot zu erbitten. Der König aber war ein böser Mann und sagte:
„Wenn du diese große Eiche in meinem Hof bis zum Abend fällst und in Scheite zersägst, erhältst du genug Brot und noch meine Tochter dazu. Schaffst du es aber nicht, so werden aus deinem Rücken Hautstreifen geschnitten und Gerstengrannen dazwischengesteckt.“
Der Mann begann die Eiche zu fällen und fällte bis zum Mittag. Die Eiche war schon zu drei Vierteln gefällt. Die Königstochter brachte das Essen. Der Mann aß und wollte weiterarbeiten, er schaute hin – o Schreck, die Eiche war wieder festgewachsen wie vorher! Kein Span war abgehauen.
„Ich sehe, aus dir wird kein Eichenfäller“, sagte der König, ließ ihm aus dem Rücken Hautstreifen schneiden und Gerstengrannen dazwischenlegen.
Der Mann ging mit Schmerzen nach Hause.
„Nun, hast du Brot gebracht?“ fragten die anderen Brüder.
„Wo soll ich euch Brot gebracht haben, geht selbst welches holen“, sagte der älteste Bruder.
Am nächsten Morgen ging der mittlere Bruder, um vom König Brot zu holen.
„Wenn du diese große Eiche in meinem Hof bis zum Abend fällst und in Scheite zersägst, dann erhältst du Brot und meine Tochter obendrauf. Schaffst du es nicht, so werden aus deinem Rükken Hautstreifen geschnitten und Gerstengrannen dazwischengelegt“, sagte der König.
Der Mann begann zu fällen – und alles verlief wie beim ältesten Bruder.
Am dritten Morgen ging der dumme Bruder Brot holen und nahm die Flöte mit. Am Wegrand sah er, daß ein Beil mit voller Wucht hackte.
Er sagte: „Beil, in den Sack!“
Das Beil ging auch in den Sack.
Nach einer Weile sah er, wie ein Spaten eifrig schaufelte.
Er sagte: „Spaten, in den Sack!“
Der Spaten ging in den Sack.
Wieder nach einer Weile sah er eine Peitsche tüchtig prügeln.
Er sagte: „Peitsche, in den Sack!“
Die Peitsche ging in den Sack.
Der Dumme gelangte zum König und fragte nach Brot.
„Wenn du diese große Eiche in meinem Hof bis zum Abend fällst und in Scheite zersägst, erhältst du Brot und meine Tochter dazu. Schaffst du es nicht, werden aus deinem Rücken Hautstreifen geschnitten und Gerstengrannen dazwischengelegt“, sagte der König.
Der Dumme ging zur Eiche, holte das Beil aus dem Sack heraus, setzte sich selbst hin und sagte: „Beil, fälle!“
Das Beil begann auch zu fällen. Zur Mittagszeit brachte die Königstochter das Essen. Die Eiche war in Scheite zersägt und in Klaftern geschichtet. Der Dumme aß und ging dann zum König, um Brot und die Tochter zu bekommen.
Der König aber wollte die Tochter nicht geben und sagte: „Wenn du unter meiner Treppe einen Brunnen gräbst, aus dem ich morgen früh Wasser zum Waschen bekomme, erhältst du meine Tochter und auch Brot. Wird aber der Brunnen bis zum Morgen nicht fertig, so werden aus deinem Rükken Hautstreifen geschnitten und Gerstengrannen dazwischengelegt.“
Der Dumme nahm den Spaten aus dem Sack, legte sich selbst zur Ruhe und sagte: „Spaten, grabe!“
Der Spaten fing an zu graben. Am Morgen war der Brunnen fertig, und der König hatte genug Wasser zum Waschen.
Der Dumme ging, um die Königstochter und das Brot zu holen, der König aber griff wieder zur List: „Wenn du einen Tag meine Hasen hütest, so daß am Abend alle Hasen beisammen sind, bekommst du meine Tochter und auch Brot. Wenn aber ein Hase fehlt, werden aus deinem Rücken Hautstreifen geschnitten und Gerstengrannen dazwischengelegt.“
Der Dumme ging die Hasen hüten, nahm seine Flöte und begann zu spielen, die Häschen fingen alle an zu tanzen.
Der König sah, daß kein Hase davonlief, und sagte zur Tochter: „Geh und kaufe einen Hasen ab, dann wird am Abend doch einer fehlen.“
Der Dumme verlangte dafür eine Kiepe Gold. Die Tochter ließ das Gold hinbringen und ging mit dem Häschen nach Hause. Sie war eine Strecke gegangen, da fing der Dumme wieder an zu spielen, und der Hase lief zurück.
Der König schickte die zweite Tochter, einen Hasen zu kaufen. Der Dumme verlangte dafür zwei Kiepen Gold. Die Tochter ließ das Gold hinbringen und erhielt das Häschen. Sie war eine Strecke gegangen, da fing der Dumme an, auf der Flöte zu spielen, und der Hase lief zurück.
Schließlich schickte der König seine Frau. Der Dumme verlangte drei Kiepen Gold. Das Gold wurde gebracht, und die Frau bekam das Häschen. Sie war eine Strecke gegangen, als der Dumme anfing zu spielen und der Hase zurücklief.
Am Abend hatte der Dumme alle Häschen beisammen.
„Gut, jetzt ruhe dich in der Nacht aus; am Morgen bekommst du die Tochter und auch Brot“, sagte der König und brachte den Dummen in ein Zimmer, in dem ein großer Bär eingeschlossen war.
„Rasier mir den Bart ab“, sagte der Bär, als der Dumme hineintrat.
„Gut, aber lege deine Pfoten hierher zwischen die Wandbalken, dann hältst du besser still“, sagte der Dumme und hob einen Wandbalken an. Der Bär legte die Pfoten dazwischen.
Der Dumme nahm die Peitsche aus dem Sack und sagte: „Peitsche, prügle!“
Und die Peitsche begann zu prügeln. Sie prügelte dem Bären das ganze Fell vom Rücken herunter. Wohl schrie der Bär, so laut er konnte, und bat ihn loszulassen, doch der Dumme hörte nicht darauf.
Schließlich, als der Bär genug hatte, sagte er zur Peitsche: „Peitsche, in den Sack!“ Doch die Pfoten des Bären ließ er zwischen den Balken.
Am nächsten Morgen ging der Dumme zum König, um von ihm die Tochter und Brot zu bekommen. Der König staunte, daß der Dumme überhaupt noch lebte, und sah ein, daß er diesen Mann nicht loswerden konnte. Er gab ihm die Tochter und viel Brot und schickte sie weg.
Der Dumme und die Königstochter waren eine Weile gegangen, da ließ der König den nackten Bären frei und sagte: „Geh und zerreiße sie beide!“
Der Dumme sah den Bären kommen, zog die Königstochter nackt aus und schob sie vor den Bären.
Der Bär lief davon, ging zum König und sagte: „Ich konnte ihnen nichts antun, sie waren ebenso nackt wie ich!“



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